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Lesenacht „Der Mensch im Mittelpunkt“

    Am Freitag war es wieder so weit. Der Hospizverein Arberland e. V. lud zur Lesenacht in die Stadtbücherei Regen ein, musikalisch hervorragend und einfühlsam begleitet von Max Fischl und Max Niedermeier.

    Mit besonderer Freude und jugendlichem Elan lasen die Nachwuchsschriftsteller der „Schriftstellerwerkstatt“ des Gymnasiums Zwiesel unter der Leitung von StDin Martina Kuchler aus selbst verfassten Werken. Das Thema „Im Mittelpunkt der Mensch“ hatten die jungen Schreiberlinge eifrig diskutiert und bei vielen kam sofort „Künstliche Intelligenz“ und deren Chancen und Gefahren zur Sprache. So tauchte dieses Thema auch in mehreren Beiträgen der jungen Autoren und Autorinnen auf, in nachdenklichen Geschichten, aber auch in witzigen Gedichten.

    So reimte Anna-Lena Hamel aus der Klasse 11 in amüsanten Versen über „Das künstliche Hirn“, das der Mensch sich geschaffen hat und das allenthalben sein Unwesen treibt. Am Schluss warnt die junge Verfasserin vor möglichen katastrophalen Folgen gesetzt.

    David Eller aus der 6. Klassen bot in seiner „Worldstory“ ein Zukunftsbild von arbeitslosen Menschen, die von Robotern aus ihrem bisherigen Leben gedrängt werden, und mahnte zu Menschlichkeit, Wärme und analoger Nähe.

    Den bedenklichen Seiten des menschlichen Wesens widmeten sich Lucia Kutzer und Annemarie Zellner (beide 5. Klasse). Lucia veranschaulichte den Menschen  „Das komplexeste Wesen des Universums“, das sich bereits in Kindheit und Schule immer mehr von der KI seiner Kreativität berauben lässt. Annemarie erklärte eindrucksvoll das berühmte Zitat des Menschen, der dem Menschen ein Wolf ist, und hoffte, dass ein Umdenken im Miteinander einsetzt, so dass der Mensch des Menschen Freund werden kann.

    In der zweiten Runde der Lesung faszinierte die Erzählung „Existenz“ von Johanna Ademi aus der 8. Klasse, die mitreißend verdeutlichte, wie sehr sich der Mensch oft von Leistungsdruck, Kapitalismus und dem Streben nach Reichtum verführen lässt, um dabei das Wichtigste seiner Existenz zu verlieren: Freunde, Mitgefühl, familiäre Wärme und innere Zufriedenheit.

    Ein ähnliches Thema hatte sich Alexandra Ujvari (5. Klasse) gewählt, die in ihrer kleinen Geschichte „Auszeit“ veranschaulichte, wie sich der im Arbeitsleben ausgebeutete Mensch wieder der Natur zuwendet und dort Freude und Erfüllung findet.

    Einen witzigen Kontrapunkt setzte dann Ruben Buchinger (5. Klasse) mit einem symbolischen Gedicht von Franz von Kobell, der das Leben des Menschen mit einem alten Lederstiefel vergleicht, und brachte zudem mit der Lesung eines weiteren Gedichts von Anna-Lena Hamel, die krankheitsbedingt fehlte, über „Meine coole Oma“ das Publikum zum Lachen: War doch die Oma auf dem Veggi-Trip und versuchte, ihre ganze Familie von der „Fleischfresserei“ zu heilen.

    In der Schlussrunde brachte StDin Kuchler die Zuhörer noch einmal zum Nachdenken:  sie las ihren für das Magazin „Lichtung“ verfassten Text zu Heinrich Bölls Kurzgeschichte „Wanderer kommst du nach Spa….“, der in berührender Weise auf die Intensität und noch heutige Wirksamkeit dieser Geschichte für unsere Gegenwart verwies:  Als eine Mahnung an die Beendigung des Kriegstreibens für Mitgefühl und Humanität.

    Ein Gemeinschaftsgedicht der Schriftstellergruppe zum Thema „Menschsein“ in aufeinanderfolgenden Elfchen, die das Leben des Menschen und seine Hoffnungen Revue passieren ließen, beendete gekonnt den unterhaltsamen ersten Teil der Lesenacht.

    Nach einer „Pizzapause“ erfreute sich die verbleibende Zuhörerschaft an den Vorträgen von Sonja Fürst, die ihre Gedanken zum Thema „Seele als Raum“ vortrug. In Literatur, Philosophie und Spiritualität ist das ein starkes metaphorisches Konzept, das das innere Erleben, das Bewusstsein und die Persönlichkeit als einen begehbaren, gestaltbaren oder schützbaren Ort beschreibt. Des Weiteren las sie eine „Hospizgeschichte, die sich so zugetragen hat“.

    Hans Hagl, ein treuer Gast des Hospizvereins, trug das berühmte Prosagedicht „Desiderata“ vor, das in einfühlsamen Worten ausdrückt, wie wir ein glückliches und sinnerfülltes Leben führen können und worauf es in unserem Dasein ankommt, wonach wir uns im Leben wirklich sehnen: nach Glück.

    Theresia Six rezitierte gekonnt das Gedicht „Das möchte ich noch erleben“ von Theodor Fontane, und Ottmar Kraus las „Das Ideal“ von Kurt Tucholksky, das den Menschen charakterisiert, der alles haben und auf nichts verzichten möchte.

    Den gelungenen Abend beschloss Heidemarie Horenburg mit einem großen Lob für die Schüler und ihre Lehrerin. Eine besondere Leistung sah sie in der Bereitschaft der jungen Schüler, die anspruchsvollen Texte der wegen Krankheit fehlenden Oberstufenschüler perfekt vorzutragen. Ihr großer Dank galt allen Lesern, der wunderbaren Musikgruppe, die die Lesung mit ihren einfühlsamen Melodien begleitet hat,  und der Hausherrin Lisa Straub, die immer ein offenes Herz und ausgebreitete Arme für die Hospizler und deren Gäste bereithält.